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Stichwort Karriere

Während der Lehre kann die Berufsmittelschule besucht oder nach der Lehre berufsbegleitend nachgeholt werden. Dieser Abschluss ermöglicht den Einstieg in die Weiterbildung an Fachhochschulen. Für Berufsleute, die einen erfolgreichen Lehrabschluss vorweisen und auf Weiterbildung setzen, ist das Angebot gross. Möglich ist auch, sich auf direktem Weg weiterzubilden. Zum Beispiel über den Vorabeiter zum Polier und weiter zum Bauführer, eventuell sogar zum Baumeister.

Welche schulischen Voraussetzungen und Bedingungen muss ein Jugendlicher erfüllen, um eine Ausbildung in der Baubranche zu absolvieren?
Gefragt sind mindestens gute Sek B-Schüler mit Noten 4.5 und höher beim Schwerpunkt Mathematik und Geometrie. Was jedoch ebenfalls zählt, sind Kriterien, die nur mit einer Schnupperlehre erkannt werden können. Es ist wichtig, den Jugendlichen die wahren Seiten des Berufes zu zeigen, mit allen Vor- und Nachteilen, damit sie wissen, was sie in der Lehre erwartet. Den Jugendlichen muss aufgezeigt werden, was von ihnen verlangt wird, in der Schule und im Betrieb, und was das soziale Verhalten betrifft.

Für viele Jugendliche ist der Lohn ein wichtiges Kriterium. Was kann auf dem Bau verdient werden?
Die Höhe des Lehrlingslohns wird von den Verbänden als Empfehlung abgegeben. Ein Maurer etwa verdient im 1. Lehrjahr 930 Franken, im 2. Lehrjahr 1300 Franken und im 3. Lehrjahr 1890 Franken. Für Zusatzlehrlinge, die eine verkürzte Lehre absolvieren, wie etwa der Bauzeichner mit Abschluss, gibt es im 1. Lehrjahr 1760 Franken, im 2. Lehrjahr sind es 2000 Franken.

Wo liegen für Sie die grössten Herausforderungen für die Lernenden und Lehrlinge?
Dazu gehören sicher der Schritt aus einem begleiteten Leben, wie etwa in der Schule, wo Tag für Tag alles seinen geregelten Ablauf hatte, in die Arbeitswelt, in der man selbständig werden muss, sowie die Erwartungen der Arbeitswelt, die schnell und leistungsorientiert ist. Dann sicher auch die Freiheit, Eigenverantwortung zu erhalten und diese richtig einzusetzen und nicht auszunützen. Für die meisten Jugendlichen ist es eine grosse Herausforderung, den richtigen Beruf und die passende Unternehmung zu finden, in der man dann arbeitet und mit Hilfe der Ausbilder einen erfolgreichen Lehrabschluss anstrebt, um sich zu einem leistungsfähigen Berufsmann oder einer Berufsfrau zu entwickeln. Die Wahl für den richtigen Beruf, der auch den eigenen Fähigkeiten angepasst sein muss, und nicht einfach nur eine Lehrstelle zu finden, ist aus meiner Sicht eine der grössten Herausforderungen.

Berufe, bei denen man vorwiegend im Freien tätig ist, sind in der Regel weniger beliebt. Wie können Jugendliche trotzdem motiviert werden, einen Baufachberuf zu erlernen?
Dass der Beruf im Freien stattfindet, ist eines der Kriterien, die aus Sicht meiner Lernenden als grosses Plus wahrgenommen wird, weil sie genau diese Art von Arbeit suchen. Es ist immer wieder eine Freude, Fotos des ersten Arbeitstages am Lehrabschlussessen anzuschauen, um zu sehen, wie aus Jugendlichen stattliche Männer geworden sind, die auch schlechteste Wetterbedingungen meistern. Ich würde behaupten, dass Lernende mit Tätigkeiten im Freien genau auf diesen Vorteil nicht mehr verzichten möchten, und wer handwerklich arbeitet, kann das Resultat seiner Arbeit am Abend sehen. Glauben Sie mir, es macht auch nach 20 Jahren noch Freude, zu sagen, diesen Prime Tower habe ich in meiner Lehre gebaut.

Gibt es auch Berufsgattungen, bei denen nicht nur Muskelkraft gefragt ist, die sich beispielsweise für junge Frauen eignen?
Die Muskelkraft ist nicht als einziges der springende Punkt. Junge Frauen haben es manchmal in einer von Männern dominierten Berufsbranche nicht so einfach, weil die weiblichen Ansprechpersonen als Vertrauenspersonen fehlen. Was man jedoch immer häufiger sieht, ist, dass junge Frauen eine Anstellung etwa als Malerin anstreben. Auch im Schreinereihandwerk gibt es unterdessen Frauen. Im eigentlichen Bauhandwerk ist dies weniger der Fall.

Wie sieht es hinsichtlich Weiterbildung und Karrieremöglichkeiten aus?
Die Karrieremöglichkeiten sind gut bis sehr gut, denn die entsprechenden Angebote können je nach Situation und individuellen Stärken schon bei Lehrbeginn angegangen werden.