Der Projektleiter eines Spitalneubaus auf der Bauherrenseite in der San Francisco Bay Area träumte von einem Projekt, bei dem alles effizient und richtig verläuft. Er war es leid, bei der Übergabe eines Neu- oder Umbaus den Ärzten und Krankenschwestern sagen zu müssen, dass leider wegen Termin- und Budgetschwierigkeiten nicht alles gebaut werden konnte, dem Finanzchef zu erklären, wieso das Budget aufgestockt werden musste, und mit den beratenden Firmen und den Unternehmern über Nachträge zu streiten.

Vielleicht bekommen die Bauherren in der Schweiz immer, was sie sich am Anfang eines Projektes vorstellen, und müssen sich nicht mit solchen Problemen herumschlagen, sondern können sich der produktiven Einbindung eines neuen Gebäudes in ihr Unternehmen widmen oder sich auf das nächste Projekt konzentrieren.


In Kalifornien ist das leider nicht häufig genug der Fall. Deshalb setzen Bauherren, Architekten, Ingenieure, Unternehmer, Nachunternehmer und vermehrt auch Lieferanten von der Konzeptphase bis zur Übergabe und neu auch beim operativen Management eines Gebäudes BIM ( Building Information Modeling ) als Hilfsmittel ein.

Da ein BIM ein Bauwerk klar abbildet und Informationen zum Bauwerk mit grafischen Ansichten verbindet, hat das Projektteam eine klare Basis zur Koordination von multidisziplinären Entwürfen, zur internen und externen Kommunikation und für vieles mehr.

 


So verläuft die Planung und Ausführung von Projekten in Kalifornien heute ungefähr so. Der Bauherr bringt schon früh die Fachleute der wichtigsten Planungs- und Baufirmen zusammen, um gemeinsam die Ziele und das Vorgehen zu definieren. Es ist wesentlich, dass alle wichtigen Disziplinen vertreten sind; sonst sind zukünftige Konflikte und Leerlauf schon vorprogrammiert.

Mittels BIM-basierter Visualisierungen und Simulationen sowie schnell ausgeführter Berechnungen stellt das Projektteam sicher, dass die Bauherrenwünsche so genau und komplett wie möglich artikuliert und von allen verstanden sind. Das macht es wahrscheinlich, dass das Projektteam schnell gute Entwurfsvorschläge vorbereiten kann, und vereinfacht die spätere Auswahl der besten Entwurfsvariante.

Dann wird das Projekt bis ins Detail koordiniert. Normalerweise machen die Nachunternehmer, bei denen erfahrene Bauleute BIM gelernt haben, die Detailplanung in 3D und stimmen ihre Planung mit der Planung der anderen Disziplinen ab.

Wenn alle mit der Detailplanung zufrieden sind, werden so viele Bauteile wie möglich vorgefertigt, was eine parallele, zeitsparende und qualitativ hochstehende Fertigung in Produktionsanlagen und eine schnelle und sichere Montage auf der Baustelle ermöglicht. Alles wird zum ersten Mal richtig eingebaut.

Die kurze Bauzeit – bei vielen Projekten ist die Bauphase um über 30 Prozent verkürzt worden – minimiert das Marktrisiko des Bauherrn und verringert die Chancen auf späte Änderungswünsche. Auf der Baustelle werden dann die 3D-Modelle zum Ausmass mit «Total Stations» eingesetzt, sodass die digitale Welt mit der Realität auf der Baustelle übereinstimmt.

Die Building Information Models werden auch täglich auf die iPads der Vorarbeiter geladen, sodass sie sich auf das Bauen konzentrieren können und nicht den letzten Planänderungen nachrennen müssen. Schlussendlich werden Laser-Scans mit dem BIM verglichen, um sicherzustellen, dass der Bau genau wie geplant errichtet wurde.

 


So werden inzwischen viele Projekte, ohne dass Baukomponenten miteinander kollidieren, mit 20 Prozent höherer Produktivität, ohne Nachträge, ohne eine lange Liste von Pendenzen am Ende der Bauzeit, mit kürzerer Bauzeit und kleinerem Budgetrisiko fertiggestellt.

Für die Zukunft stellen sich die Firmen vor, mittels automatischer Generation und Analyse von vielen Entwurfsalternativen und durch schnelleres und besseres Feedback die Wertschöpfung der Bauwirtschaft weiter zu verbessern.


Ich durfte seit 1993 mit meinem Forschungsteam Bauprojektteams helfen, BIM-basierte Methoden gewinnbringend einzusetzen. Dabei haben sich die oben beschriebene Praxis und die damit verbundenen Vorteile herausgestellt. Ich bin mir sicher, dass diese Nützlichkeiten einer gemeinsam erstellten und unterhaltenen Projektinformationsbasis auch in der Schweiz erreichbar sind.

Dazu braucht es, nach meiner Erfahrung, vor allem den Willen, mit der ineffizienten Arbeitsweise, die durch fragmentierte und nicht schnell visualisierbare Informationen ersteht – denken Sie zum Beispiel an das Vergleichen von Listen, die von verschiedenen Fachleuten erstellt wurden – Schluss zu machen.

Dann kann sich die Bauindustrie dem Bereitstellen von nachhaltig besseren Spitälern, Schulen, Eisenbahnen etc. widmen, ohne sich mit internen Problemen wie tagelangen Diskussionen über Nachträge, dem Ausbügeln von Missverständnissen oder dem Management von Nacharbeiten aufzureiben.