Was ist dabei die grosse Herausforderung?

Seit fast 600 Jahren verwenden wir beim Planen und Bauen dasselbe Werkzeug: den Plan. Das wird sich mit den neuen digitalen Systemen grundsätzlich ändern. Die Einführung des Computers im Architekturbüro hat das CAD (Computer-aided Design) ermöglicht, die Art der Zusammenarbeit aber kaum beeinflusst.

Mit BIM haben wir nun eine Methode, die digitale und integrale Gebäudemodelle ermöglicht. Das grundsätzliche Wissen des Architekten bleibt das gleiche, die Methode und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Projektabwicklung ändern sich aber radikal. Das ist die grosse Herausforderung.

Wird das Bauen dadurch komplizierter?

Nein, ich habe das Gefühl, es wird einfacher. Dies setzt natürlich voraus, dass man sich auf das neue System einlässt und sich intensiv damit befasst. BIM erfordert vom Architekten und seinen Partnern eine integrale Planung. Alle Informationen sind an einem Ort abgelegt und stehen jederzeit zur Verfügung.

Es gibt keine parallelen Planungen mehr. So können alle Beteiligten Architektur, Gebäudetechnik, aber auch Termine und Kosten schneller und einfacher nachvollziehen.

CAD war gestern, BIM ist heute und vor allem morgen. Wie schafft man dieses Umdenken, diesen Sprung in die Zukunft?

Das grundsätzliche Wissen des Architekten bleibt das gleiche, die Methode und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Projektabwicklung ändern sich aber radikal

Man muss sich bewusst sein, dass wir uns vom Plan als klassischem Informationsträger und Werkzeug verabschieden müssen. Ich vergleiche den Entwicklungssprung etwa mit der Entwicklung vom alten Holzofen zur neuesten Energiezentrale.

Es reicht aber nicht aus, das Werkzeug und die Betriebsanleitung in den Händen zu haben. Man muss sich wirklich ernsthaft mit der neuen Methode des Bauens auseinandersetzen und sie auch verstehen.

Welche Berufe betrifft diese Entwicklung besonders?

Bauen mit BIM betrifft eigentlich jeden, der mit einem Projekt zu tun hat. Das reicht vom Bauherrn und Investor über den Architekten, Planer, den Gebäudetechniker und den Baumeister bis hin zum Betreiber, Facility-Manager und Nutzer eines Gebäudes. Je früher sich die einzelnen Akteure damit befassen, umso besser.

Welche Auswirkungen hat das auf die Ausbildung von jungen Berufsleuten?
 

Das Wichtigste an diesem Prozess ist die Offenheit für die disziplinenübergreifende Zusammenarbeit und die Erlangung der Methodenkompetenz

Jungen Berufsleuten ist nicht nur das disziplinspezifische Wissen zu vermitteln. Wichtig ist das Vermitteln der neuen Art der Zusammenarbeit. Dabei ist die Arbeitsmethode besonders zentral.

 

Das Wichtigste an diesem Prozess ist die Offenheit für die disziplinenübergreifende Zusammenarbeit und die Erlangung der Methodenkompetenz.

Welche Fähigkeiten sind bei den neu entstehenden Berufsbildern besonders gefragt?

Das Fachwissen des Architekten ist nach wie vor zentral. Das Erkennen des Ziels, die Definition der Inhalte und die Sicherung der Qualität werden neu gewichtet. Besonders gefragt sind neu das prozess-orientierte, integrale Denken und die Kommunikation mit allen am Bau Beteiligten.

Wie kann ein Architekt oder Planer im mittleren Alter den Anschluss an die neuen Technologien schaffen?

Bei einer gewissen Gruppe von Architekten und Planern ist zweifellos eine Verunsicherung zu spüren. Der Entwicklungsschritt ist ja auch wirklich gross. Ich sehe aber nicht nur den Wandel, sondern auch die riesigen Chancen, die daraus entstehen.

Es lohnt sich durchaus, sich mit Neugier und Interesse darauf einzulassen und sich diese Methodenkompetenz anzueignen. Das Angebot von Weiterbildungskursen in Form von CAS/MAS an den Fachhochschulen wird immer grösser. Als Architekt muss man sich intensiv damit auseinandersetzen.

Wie weit sind wir in der Schweiz auf dem BIM-Weg?

In Teilen von Europa und den USA ist die Selbstverständlichkeit von BIM als Methode schon weiter fortgeschritten. In der Schweiz sind wir noch nicht ganz so weit. Die technischen Hilfsmittel sind alle vorhanden.

Die Kenntnisse, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten werden, entwickeln sich erst. Die Bauwirtschaft ist zudem auf einheitliche Standards angewiesen. Da haben wir noch eine grös-sere Wegstrecke vor uns.

Info

Aus- und Weiterbildung
« Digitales Bauen »

In der Schweiz gibt es verschiedene Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zum Thema Digitales Bauen an den Fachhochschulen.

Die Lehrgänge sind als CAS-/MAS-Einheiten aufge-baut. Dadurch lassen sich die beruflichen Erfahrungen mit den Fähigkeiten und Möglichkeiten des innovativen Bauens kombinieren.

Digitales Bauen ermöglicht

  • kreatives Entwerfen
  • innovatives Planen
  • effizientes Ausführen
  • erfolgreiches und nachhaltiges Nutzen durch eine intelligente Informationsverarbeitung.

Es fördert ganzheitliches Denken und das Prozessverständnis, die Effektivität und Effizienz im Bauwesen!