Bauvorhaben und insbesondere Grossprojekte werden heute umweltverträglich geplant und realisiert. Dafür stehen Grossprojekte wie die Durchmesserlinie Zürich oder der Gotthard-Basistunnel. «Im Vordergrund steht bei der Projektierung und Realisierung der Schutz des Menschen und der Umwelt», erläutert Patrik Thalparpan. Umweltschutzverbände werden deshalb frühzeitig einbezogen, und solche Projekte werden nur dann bewilligt, wenn die Umweltschutzauflagen eingehalten werden. Die wirtschaftlichen Perspektiven im Bauwesen bezeichnet Thalparpan als hervorragend. Dank tiefer Hypothekarzinsen werde weiterhin in den Wohnungs- und Dienstleistungsbau investiert. Auch im Bereich Verkehr und Infrastruktur hätten Bauingenieure mehr als genug Arbeit: «Strassen, Gleisanlagen, Tunnels und Brücken bilden das Fundament einer modernen Zivilisation. Bauingenieurinnen und Bauingenieure setzen sich täglich für den Bau und den Bestand solcher Anlagen ein.» Ebenfalls gefragt sind Bauingenieure im Sanierungsbereich. Viele Autobahnen sind heute 25 bis 30 Jahre alt und müssen saniert werden. Noch einen Punkt erwähnt Thalparpan: Die Schweizer Bauwirtschaft ist vorwiegend eine Binnenwirtschaft und leidet deshalb nicht so stark unter dem hohen Schweizer Franken wie andere Branchen.

Sicherung der Lebensgrundlagen
«Bauingenieurinnen und Bauingenieure tragen massgeblich zur Gestaltung unseres Lebensraums bei», betont Patrik Thalparpan. Sie projektieren und realisieren Bauten für die Zukunft. Neben der Wirtschaftlichkeit gewinnt auch die Umweltverträglichkeit von baulichen Anlagen immer mehr an Bedeutung. Der Bauingenieur muss daher auch Antworten auf Fragen des Landschafts- und Naturschutzes, des Energieverbrauchs und der Nachhaltigkeit finden. «Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung unserer Lebensgrundlagen.» Um im Beruf Erfolg zu haben, braucht es Interesse an mathematisch-naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und eine Begabung für die Erarbeitung kreativer Lösungen. «Wer Bauingenieur werden will, arbeitet gern teamorientiert und schätzt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Architekten, Umwelt­ingenieurinnen und anderen Fachleuten», so Thalparpan. Frauen hätten sich unterdessen als Bauingenieurinnen etabliert und würden als Fachpersonen im Bauwesen akzeptiert – auch im Tunnelbau, einer typischen Männerbastion. Allerdings gibt es nach wie vor zu wenige Studentinnen an den Fachhochschulen. Ihr Anteil beträgt derzeit rund 10 bis 20 Prozent. Den Grund sieht Patrik Thalparpan darin, dass Studierende auf dem zweiten Bildungsweg an die Fachhochschule gelangen. Es handelt sich vor allem um Studenten, die einen klassischen Männerberuf wie Bauzeichner, Stahlbaukonstrukteur, Maurer oder Strassenbauer erlernt haben.

Nicht nur im klassischen Bereich
Bauingenieure kenne man meistens nicht mit Namen, im Gegensatz zu den teilweise weltbekannten Schweizer Architekten, sagt Thalparpan und verweist auf zwei berühmte Beispiele: «Wer kennt schon Othmar Ammann, einen bekannten ETH-Bauingenieur. Er plante massgebend an der weltbekannten Golden Gate Bridge mit. Oder den Bündner Bauingenieur Christian Menn, der die eindrückliche Sunnibergbrücke bei Klosters entwarf?» Nicht nur im klassischen Bauingenieurbereich warten spannende Aufgaben auf die zukünftigen Berufsleute: Auch aktuelle Fragen im Umwelt- und Energiebereich spielen eine zentrale Rolle, wie etwa die Renaturierung von Bächen, die Verkehrsberuhigung von Innenstädten und im Energiebereich die Verstärkung von Tragkonstruktionen für Photovoltaikanlagen oder die energetische Sanierung von Gebäuden.