Martin Fischer

Prof. Dr. Martin Fischer ist Professor für Bauingenieurwesen und Umwelttechnik an der Stanford Universität, Kalifornien.

Gleichzeitig ist er Direktor des Center for Integrated Facility Engineering (CIFE) und koordiniert Forschungen zu gebäudeabhängiger Energieeffizienz für das Precourt Institute for Energy Efficiency.

Er ist zudem Fakultätsmitglied am « Woods Institute for Environment » und Mitglied des « Emmett Interdisciplinary Program in Environment and Resources ». Seine preisgekrönten Forschungsergebnisse werden weltweit von grossen Industrieunternehmen, aber auch mittelständischen Planungsbüros und Bauunternehmen genutzt und spielen auf Regierungsebene eine zunehmende Rolle.

Leider sind solche Worte eher die Ausnahme als die Norm. Aber das muss nicht so sein. Als Baufachmann bin ich stolz darauf, mitzuhelfen, die Bauten zu generieren, die unser heutiges Leben ermöglichen. Aber ich bin nicht stolz auf die vielen Bauten, die zu spät fertig werden, zu viel kosten, umständlich zum Betreiben sind oder den Benutzern nicht das geben, was sie brauchen.

Leider werden die Kriterien, die den Wert eines Baus definieren, zu häufig zu ungenau definiert und nicht systematisch genug zur Formulierung und Auswahl von guten Planungsentwürfen gebraucht. Hier ermöglichen es digitale Methoden wie virtuelle Welten Benutzern und Betreibern, schon in frühen Projektphasen den zukünftigen Bau erleben zu lassen und so herauszufinden, was ihnen denn wirklich wichtig ist.

Das Projektteam kann dann schnell mit multidisziplinären parametrischen Methoden Entwurfsvarianten entwickeln und anhand der Kriterien vergleichen, um die beste Variante zu finden. So konnten wir, zum Beispiel, in drei Sekunden eine Dachkonstruktionsvariante für ein Fussballstadion für 65'000 Zuschauer entwerfen und berechnen.

Dadurch berücksichtigten wir über 12'000 Varianten, was dann zu einer Konstruktion führte, die gegenüber der besten von 39 Varianten, die der Bauingenieur mit konventionellen Methoden kreiert hatte, fast 20 Prozent Stahl einsparte. Was könnte man erreichen, wenn man für jede architektonische Idee schnell die besten integrierten Ingenieurlösungen erarbeiten könnte?

Dazu kommt es aber selten, weil Projektteams fast nie zur gleichen Zeit und mit gemeinsamen Zielen angestellt werden. Wie erfolgreich wäre eine Fussballmannschaft, die für jedes Spiel die Verteidigung, das Mittelfeld und den Sturm aus den jeweils billigsten Anbietern zusammenstellen würde? Dazu käme noch, den Verteidigern nur die Spielzüge hinter der Mittellinie und den Angreifern die Spielzüge vor der Mittellinie zu zeigen.

«Du bist ja schon ein Idiot, wenn du nicht das beste Hilfsmittel brauchst, um deine Arbeit zu machen»

Und es wäre reiner Zufall, wenn einige der Spieler schon einmal zusammengespielt hätten.

Zu viele Bauprojektteams werden aber ungefähr so zusammengestellt. Solche fragmentierten Projektorganisationen führen dann oft zu unkoordinierten Projektinformationen, die dann zu Nacharbeiten und nicht zum Erfolg eines Baus führen.

Unkoordinierte und unvollständige Daten erlauben es dann auch nicht, den Bau effizient zu unterhalten. Auf führenden Baustellen in den USA wird schon seit über zehn Jahren dank der multidisziplinären und termingerechten Planungskoordination mit Building Information Modeling (BIM) nahezu konfliktfrei gearbeitet. Es gibt also heute keine Ausreden mehr, dass Bauarbeiter mit unvollständigen und unkoordinierten Informationen bauen müssen.

In diesem Zusammenhang höre ich jeden Tag die Stimme meines Vaters: «Also, du bist ja schon ein Idiot, wenn du weisst, dass es ein besseres Hilfsmittel gibt, und du setzt es nicht ein, weil du zu faul bist, es dir zu holen.» Das wurde mir so gesagt, als ich als Zwölfjähriger beim Bau unseres Hauses mithalf und
einen mir anvertrauten Job nur so lala gemacht habe.

Zusammenfassend geht es doch darum, dass wir mit Hilfe von digitalen Methoden bessere Projekte definieren und sie dann auch mit konsequenter Sicht auf den gesamtheitlichen Projekterfolg ausführen.

Das zu erreichen, hängt hundertprozentig nur von uns ab. Ich freue mich auf die erfolgreichen Bauten, wenn Schweizer Bauherren, Planer und Baufirmen digitale Methoden mit schweizerischer Sorgfalt konsequent einsetzen werden, um so den Kunden und der Gesellschaft eine grössere Wertschöpfung zu ermöglichen.