Im Baugewerbe sind Unmengen an Tätigkeiten angesiedelt. Und natürlich gibt es auch für alle Berufe passende Aus- und Weiterbildungen. «Die Baubranche hat eine grosse Kultur rund um die Bildung», sagt Ueli Büchi, Leiter Berufsbildungspolitik des Schweizerischen Baumeisterverbandes. «Wir haben in den Maurerlehrhallen eine duale Grundausbildung eingeführt, lange bevor sich diese in der Schweiz allgemein durchsetzte. Die jungen Menschen lernen einerseits im Betrieb, andererseits stellen die Lehrhallen theoretisches und praktisches Üben in einem geschützten Umfeld sicher.»

Aus- und Weiterbildung
Die Grundausbildung ist in der Baubranche fest verankert. Jedes Jahr ergreifen rund 1200 Lernende den Beruf des Maurers, etwas weniger sind es im Strassenbau. Seit August 2011 lernen Maurer und Baupraktiker mit den Dokumenten aus der neuen Berufsbildungsverordnung und den im entsprechenden Bildungsplan definierten Inhalten. «Das ist eine Handlungsanleitung, welche für alle Beteiligten verbindlich umgesetzt werden muss», sagt Büchi.
Aber auch im Bereich Weiterbildung ist die Branche sehr aktiv. Es existiert ein klar definiertes Karrieremodell, das auch eine Kaderausbildung umfasst: Zum Vorarbeiter, Polier, Bauführer oder Baumeister. Für alle Stufen gibt es angepasste Lehrgänge, die teilweise mit eidgenössischen Prüfungen hinterlegt sind. Diese Struktur ist allgemein anerkannt, aber nicht verbindlich. «Es gibt keine geschützten Titel», sagt Büchi. «Hat ein Bauunternehmer einen besonders guten Mitarbeitenden im Team, kann er ihn auch zum Polier ernennen, ohne dass dieser eine entsprechende Berufsprüfung ablegte.»

Berufsbildungspolitik
Die Berufsbildungspolitik ist in der Schweiz durch das Berufsbildungsgesetz geprägt. «Dieses ist nicht immer einfach umzusetzen», sagt Büchi. Die dort verankerte Verbundpartnerschaft, also die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, ist eidgenössisch geregelt und wird kantonal umgesetzt. Das führt zu vielen verschiedenen Lösungen und eine Gesamtsteuerung wird erschwert. Diese Unterschiede zeigen sich besonders im Bereich der Vorbereitungskurse zu eidgenössischen Prüfungen. Zwar gibt es Empfehlungen der Schweizerischen Berufsbildungsämterkonferenz, diese sind aber fakultativ. Die Finanzierung durch die öffentliche Hand ist nicht national geregelt, was die Chancengleichheit der Prüfungskandidaten vom Wohnort abhängig macht. «Das erzeugt zudem ungleiche Spiesse zwischen dem gymnasialen Weg und der Berufsbildung, welche höhere Bildungsrenditen für Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer auslösen würde», sagt Büchi. «Wir wollen keine Über-Regulie­rung. Aber wir wünschen uns klarere ­Rahmenbedingungen und gleiche ­Chancen.»

Nachwuchs sicherstellen
Auch in der Baubranche ist der sogenannte War for Talents ein wichtiges Thema. «Unter den Aspekten von Demografie und Migration müssen wir die jährlich benötigten Lehrverhältnisse für genügend qualifiziertes Fachpersonal in der Zukunft sicherstellen», sagt Büchi. «Deshalb engagieren wir uns in der Berufswerbung mit Projekten, durch die sich junge Menschen einen praktischen Eindruck der Arbeiten in der Baubranche machen und wir motivierten und interessierten Nachwuchs rekrutieren können. Schüler können so auch direkt mit lokalen Unternehmen in Kontakt treten und einen Schritt näher an ihre Lehrstelle kommen.