Trotz der guten Umfrageergebnisse bleibt es eine Tatsache, dass berufliche Tätigkeiten im Freien im Allgemeinen weniger beliebt sind, weil sie häufig auch körperlich sehr anstrengend sind. Dabei zeichnet sich gerade das Bauhauptgewerbe durch interessante Aufstiegsmöglichkeiten aus. Der Maurer bildet sich weiter zum Vorarbeiter und Polier, später eventuell zum Bauführer und schliesslich zum Baumeister. Die Anforderungen sind hoch, die Verantwortung auf den Baustellen ist gross und die erfolgreiche Führung eines Baubetriebs anspruchsvoll. Gut qualifizierte Jugendliche haben deshalb auf dem Bau vielfältige interessante Entwicklungsmöglichkeiten. Dass der Nachwuchs trotzdem fehlt, liegt auch nicht am Lohn. Im Bauhauptgewerbe werden die höchsten Minimallöhne aller Branchen gezahlt, die über einen Gesamtarbeitsvertrag verfügen. Ein Strassenbauer oder ein Maurer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis verdient mindestens 5 375 Franken im Monat, und das garantiert 13 Mal pro Jahr. Dies entspricht einem Jahreseinkommen von 70 000 Franken.

Wissen und Erfahrung
Die Baubranche zeichnet sich durch eine Vielfalt an attraktiven Berufen aus. Das müsste doch für genügend qualifizierten Nachwuchs sorgen. Sollte man meinen. «Es gibt tatsächlich Handlungsbedarf in Sachen Information über die vielseitigen Berufe im Baugewerbe und die attraktiven Arbeitsbedingungen. Wir planen deshalb eine Kampagne mit Schwergewicht Berufswerbung», stellt Martin Fehle in Aussicht, Vizedirektor und Leiter Politik + Kommunikation beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV). Als Kadermitglieder gehören heute Poliere und Bauführer zu den wesentlichen Leistungsträgern der Baufirmen. Ihr Wissen und ihre Erfahrung, ihre Leistungsbereitschaft und ihr Engagement sind entscheidend für die Qualität im Bau und den wirtschaftlichen Erfolg der Baufirmen. Um sich das nötige Wissen und Rüstzeug anzueignen, gibt es verschiedene Studiengänge und Fachhochschulen, die für angehende Baufachleute ein breites Ausbildungsspektrum anbieten. Für die Baubranche stehen die Bauingenieure im Vordergrund. Willkommen sind Absolventen der ETH und von Fachhochschulen. Gemäss einer SBV-Umfrage von 2009 haben 74 Prozent der Ingenieure in Baufirmen diesen Ausbildungshintergrund. Chancen haben aber auch Architekten und Planer (12 Prozent). Mit einer Börse für Praktika in Baufirmen versuchen der SBV und sein Fachverband Infra, Studierende für den Bau zu interessieren und sie in die Branche zu holen.

Krise unbeschadet überstanden
Die Baubranche zahlt nicht nur für Berufsleute hohe Löhne, sondern entschädigt auch den Bauarbeiter ohne spezifische Ausbildung mit mindestens 4 330 Franken pro Monat, und der 13. Monatslohn ist zugesichert. Damit liegt er wesentlich über dem in andern Branchen geforderten Mindestlohn. Entscheidend ist auch, dass die im Durchschnitt tatsächlich bezahlten Löhne deutlich höher sind als die Basislöhne. So erhalten Bauvorarbeiter in der wichtigsten Lohnzone im schweizerischen Mittel 13 Monatslöhne von 6 465 Franken. Das entspricht einem Jahreseinkommen von 84 000 Franken. Anders gerechnet sind es gut acht Prozent mehr als der Basislohn. Wie sämtliche Statistiken der letzten Jahre belegen, hat die Bauwirtschaft die Krise im Übrigen unbeschadet überstanden. «Die Baubranche erwies sich im Gegenteil als Stütze der Konjunktur und trug wesentlich dazu bei, dass der Einbruch der Wirtschaft in der Schweiz moderat ausgefallen ist», betont Martin Fehle. Dem stimmt Mike Pfeiffer zu, Präsident Sektion Winterthur von Baukader Schweiz. Die Auftragsbücher seien zumeist voll, und es werde nach wie vor unter hohem Druck gearbeitet. Auch er konstatiert aber einen Mangel an qualifiziertem Personal wie gelernte Maurer, Vorarbeiter, Poliere und Bauführer. «Das zentrale Anliegen ist deshalb die berufliche Aus- und Weiterbildung der Baufachleute und des Kaders», betont Pfeiffer. Die Baubranche zeichnet sich dadurch aus, dass oft während Jahren geplant und projektiert wird. Wenn es dann zur Ausführung der Bauprojekte kommt, muss alles sehr schnell gehen. Die immer kürzeren Bauzeiten sind nur deshalb möglich, weil sich gut ausgebildete Poliere und Bauleiter für ihre Baustellen engagieren und dafür sorgen, dass sicher und effizient gebaut werden kann.